Die Eisenbacher Uhrensammlung

Von allen Schwarzwaldgemeinden, in denen Uhren gefertigt wurden, hatte Eisenbach im  Verhältnis zur Einwohnerzahl die meisten Uhrenmacher. Im Jahr 1808 kamen in Eisenbach auf 7 männliche Einwohner, Kinder  mitgerechnet, 4 Uhrenmacher, Taschenuhrenmacher, Uhrengestellmacher, Uhrenschildmacher, Schildmaler, Uhrenräderdreher, Kettenmacher, Uhrenzeigermacher und Uhrenhändler. Kein Wunder, wenn im 19. Jahrhundert die Uhrenmacherei die Haupterwerbsquelle bildete. Es profitierten insbesondere die Ortsteile Eisenbach, Oberbränd und Schollach, während in Bubenbach die Glasbläserei zu Hause war. Dennoch taten sich in Bubenbach die Gebrüder Schwarz als Holzschnitzer und Lieferanten der Schilder für die Beha-Kuckucksuhren  hervor. Schriftliche Vorlagen, wie sie sich heute noch im Besitz der Familien  Benny und Urban Schwarz, Bubenbach, befinden, erinnern an jene Zeit. Sie wurden erstmals anlässlich der Beha-Kuckucksuhren-Ausstellung (13. Mai bis 2. Juni 1995) gezeigt, die als eine Art von Besucher-Magnet wirkte. Etwa 2000  interessierte Uhren-Liebhaber kamen nach Eisenbach in die Heimatstube “gepilgert”, um Zeugen der Vielseitigkeit der Eisenbacher Kuckucksuhrmacher zu werden. Diese Ausstellung war der Auslöser für die 1997 erstmals stattfindende "Internationale Antik Uhrenbörse", wie sie auch heute noch jährlich von Hubert Wursthorn veranstaltet wird.

So wird in der ständigen “Eisenbacher Ausstellung”sichtbar, dass gerade die Beha-Kuckucksuhren den Löwenanteil der Sammlung ausmachen. Johann Baptist Beha, Uhrmacher mit einfacher Schulbildung, gelang es  in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein erfolgreiches Familien-Unternehmen zu gründen. Zusammen mit seinen Söhnen baute er hochwertige  Kuckucksuhren in zahlreichen Variationen. So sind mehr als die Hälfte der 110 gezeigten Uhren Beha-Kuckucksuhren. Es wird dokumentiert und demonstriert, dass der  Name Beha für alte  Qualitäts-Kuckucksuhren bürgt und steht; Uhren, die sogar “fabrikmäßig” hergestellt worden sind. Ein alter Uhrenkatalog weist darauf hin und gibt  darüber Aufschluss.

So stellt die derzeitige Sammlung einen Querschnitt vom Schaffen der Behas  dar,  deren 1905 erbautes und unter  Denkmalschutz stehendes Haus in den Harzerhäusern in Eisenbach mit der noch vollkommen eingerichteten Werkstatt einem “Museum” gleicht. Hier lebte zuletzt  noch Feinmechaniker und Uhrmacher Franz Beha, der als Autodidakt bis ins hohe Alter an der Drehbank arbeitete und selbst Holz-Zahnräder anfertigte, so wie es  vor ihm seine berühmten Vorfahren taten,  ehe er am 29. Mai 2001 im hohen Alter von 94 Jahren verstarb.

Franz Beha  war es, der der Gemeinde Eisenbach testamentarisch “seine” Beha-Kuckucks-Uhren  vermachte. Sein Bild und die Darstellung der gesamten Beha-Dynastie schmücken  die Heimatstube.

Was  wäre die Ausstellung aber ohne die Beha-Kuckucksuhren, die für die Dauer von 25 Jahren der Gemeinde Eisenbach als Leihgaben zur Verfügung stehen. Sie stellen die “Prunkstücke” der Ausstellung dar. So bringt beispielsweise ein am Seil ziehender Kapuzinermönch eine Uhr zum schlagen. Andere Uhren  “beherbergen” Kuckuck und Wachtel in einem Gehäuse und sind teilweise mit  Spielwerken ausgestattet, die bis zu sechs verschiedene Melodien erklingen  lassen können. Die Formen und Variationen der Gehäuse sind dabei ebenso  Raritäten. Sie reichen vom obligatorischen Bahnhäusle über Tischkuckucksuhren in Biedermeierform und Uhren mit Majolika-Zifferblatt bis zu kunstvoll geschnitzten Tischkuckucksuhren im Stil der Neogotik mit Resonanzboden und reichem Innenleben.

Eine von Johann Baptist Beha 1860 gefertigte Wanduhr ist in der  Gemeinde geblieben. Sie kann im Hotel "Bad" in Eisenbach bewundert werden. Es handelt sich um eine heute noch genau gehende Weltzeituhr, deren Kompensationspendel ein Gewicht von fast eineinhalb Zentner hat und vom Gastraum in das darüber liegende Stockwerk  ragt.